Impressionen aus der AVICRES

Johannes Niggemeier schrieb kürzlich: „Auch unsere Gärten werden mehr und mehr zu Gemeinschaftsgärten („horta comunitária“); z.B. mit Heilpflanzenmedizin, wo die Eltern ihre traditionellen Kenntnisse miteinbringen können oder wo aus unseren eigenen Sämereien Pflanzen gezogen und gemeinsam Gemüse produziert wird, statt es nur als Lebensmittelspenden zu verteilen … Menschen können Samen und Pflanzen mitnehmen, um in ihren eigenen kleinen Grundstücksecken oder auf der Terrasse in Vasen, Töpfen u.a. ihre
eigenen Nahrungsmittel zu produzieren. Sogar spezielle Arbeits- und Gartengeräte können wir gelegentlich ausleihen oder zur Verfügung stellen. Und wer möchte, kann sich auf unserm Grundstück ausprobieren mit einem separaten Gartenfleckchen („Schrebergarten“) … auf Dauer kämpft man so jedenfalls effektiver gegen den Hunger und achtet dabei die Würde der Armen … Bei all diesem mischt z.B. Irmã JulyJoy, Psychopädagogin aus der neuen Schwesterngruppe tüchtig mit.

Der Anfang eines neuen Projekts mit Flüchtlingen aus Venezuela: den Männern wird angeboten, z.B. in der Tischlerei oder den Gärten der AVICRES mitzuarbeiten, die Frauen können in den verschiedenen Frauengruppen und die Kinder in den Tagesheimen mitmachen.

Im Juni 2021

Renovierungsarbeiten bei der AVICRES

„…Nun stehen wir aber vor einem außergewöhnlichen Problem, das uns die Sorge um die Umwelt aufgibt: Seit unserer Übernahme des Geländes beschert uns die Hanglage des offenen Mittelplatzes vor allem durch Platz-Sturz-Regen der Sommerzeit zunehmende Erosionsprobleme, so dass er kaum noch begeh- oder gar befahrbar ist. Aber noch schwerwiegender sind die Folgen für den Baumbestand und dabei speziell für mindestens 20 unserer größten Palmen, die alle schon gefährdet sind im Wurzelbereich und wegen ihres beginnenden Schwächezustandes von speziellen Käferfeinden befallen werden. Gerade der Zustand der Bäume – und speziell die Palmen – in all unseren Projekten haben für uns und unsere Erziehungsarbeit (!) eine enorme Symbolkraft als Gradmesser der Glaubwürdigkeit  unserer Philosophie „Gemeinschaft für das Leben, damit es wachse in Solidarität“. Das betrifft unsere gesamte Mitwelt.

Darum haben wir uns entschlossen, in beratender Begleitung durch Baumschulspezialisten zunächst einmal mit speziellen Schutzmaßnahmen im AVICRES-Zentrum für uns selbst und für alle, die mit uns in persönlichen Kontakt kommen, ein nicht zu übersehendes Ausrufezeichen zu setzen. Die Fotos zeigen den prekären Ausgangszustand und den zentralen Platz nach den Renovierungsarbeiten.“ (Johannes Niggemeier)

Zentraler Platz nach den Renovierungsarbeiten

Zentraler Platz vor den Renovierungsarbeiten


Kampagne der Geschwisterlichkeit

Auch in diesem Jahr nahm die AVICRES wieder an der großen bischöflichen Fastenzeit-Kampagne der Geschwisterlichkeit teil. Ziel der Kampagne ist es, die Solidarität der Gesellschaft in Bezug auf ein bestimmtes Problem zu wecken und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. In diesem Jahr stand das Gleichnis vom barmherzigen Samariter im Zentrum der Kampagne. Ganz auf dem Boden der Befreiungstheologie gaben die Mitarbeiter der AVICRES öffentlich den Ärmsten eine Stimme, forderten auf, ihre Not zu sehen, Mitgefühl zu entwickeln und sich zu kümmern.

Kampagne der Geschwisterlichkeit


Dualer Ausbildungsweg für Jugendliche

Um Jugendlichen im Alter ab 15 Jahren eine Zukunft in der Arbeits- bzw. Studienwelt zu ermöglichen, wurde erstmal für 10 von ihnen ein dreijähriger Kurs entwickelt. Er soll ab kommenden August beginnen, auf den im deutschen dualen Berufsausbildungsweg bewährten Erfahrungen aufbauen und an das in Brasilien teilweise übliche Kurssystem angenähert werden. Die angebotenen Fachbereiche sind: Schreinerei, Büroarbeiten, Musik, Landwirtschaft, Elektrotechnik.

AVICRES-Jugendliche auf dualem Ausbildungsweg

AVICRES-Jugendliche auf dualem Ausbildungsweg


Schachunterricht und Literaturwerkstatt

Der Schachunterricht findet in jeweils zwei Kursen an vier Brettern statt. Neben dem neu eingerichteten Schachunterricht gibt es seit Kurzem auch eine „Literaturwerkstatt“ als Gruppenarbeit. Es sind Versuche im kreativen Lesen und Vorlesen von  vorgegebenen Texten und im Schreiben eigener Poesie. Johannes Niggemeier schrieb: „Aus europäischer Kulturerfahrung lässt es sich wohl kaum ermessen, was das in dieser unglaublich an Fernsehverstopfung und Handyverwirrung erkrankten Gesellschaft der Baixada-Region vor Rio bedeutet.“

AVICRES Schachkurs

Schachkurs in der AVICRES

 


Gesundheitsposten wiedereröffnet

Johannes Niggemeier schrieb: „Im vergangenen Herbst hatte ich speziell Ihnen/Euch über ein Unwetter in Nova Iguaçu berichtet, das uns vor allem in unserer Gesundheitsstation und in unserem Gemeindezentrum mit Kindertagesstätte K11 schwere Schäden angerichtet hat. Nun kann ich Ihnen/Euch berichten, dass wir dank Ihrer besonderen Hilfe beide Gebäudekomplexe wieder vollständig herrichten  konnten und in Gebrauch genommen haben. Es ist ein Segen für die Ärmsten, dass sie durch die Neueröffnung unserer Gesundheitsstation wenigstens zu den notwendigen seriösen Voruntersuchungen in der allgemein lähmenden Situation der Corona-Angst kommen. Mit lieben Grüßen und guten Wünschen sage ich Ihnen/Euch von Herzen unseren Dank.

Der wiedereröffnete Gesundheitsposten


Arbeit der AVICRES in Corona-Zeiten

Während der brasilianische Präsident Bolsonaro das Corona-Virus nicht ernst nimmt, als „kleine Grippe“ verharmlost und das Land weiter zu spalten versucht, greift das Virus im Land um sich.

Die Pandemie und die mit ihr einhergehenden Beschränkungen haben gravierende Auswirkungen auf die Arbeit der brasilianischen AVICRES. In Nova Iguaçu wurde der Notstand ausgerufen. Die Sektoren haben weitgehend schließen müssen bis auf den Gesundheitsposten und das Kinderheim Casa da Esperança, das weitgehend abgeriegelt ist. Alle Kinder müssen zu Hause bleiben. Entlassungen eines Großteils der Mitarbeiter*innen für 60 Tage waren unvermeidbar, einige sind am Corona-Virus erkrankt.

Zu Ostern wurde eine Spendenaktion veranstaltet, bei der Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel gespendet werden konnten. In jedem Projekt ist eine Person geblieben, die in dem jeweiligen Stadtteil die Bewohner*innen versorgt, die in großer Not sind. Im Sítio das Crianças wurde eine „Notküche“ für Hungernde eingerichtet.

Der Gesundheitsposten konnte neu eröffnet werden, nachdem er nach einem schweren Unwetter im vergangenen Oktober schwer beschädigt. Der emeritierte Bischof Dom Luciano wurde als einer der ersten Patienten nach der Wiedereröffnung behandelt. Der Posten macht derzeit wichtige vorbeugende Arbeit in Bezug auf Corona.

Ein Spendenaufruf von Johannes Niggemeier aufgrund der schwierigen Corona-Situation in Brasilien findet sich hier.

Corona_Casa_da_Esperanca

Martiliana und Mädchen aus dem Casa da Esperança mit Maske

Aktion gegen den Hunger: Lebensmittel für Bedürftige

Als etliche Sektoren geschlossen werden mussten, richteten die AVICRES-Mitarbeiter eine Notküche ein und packten Lebensmitteltüten für die Ärmsten. Um die Würde der Personen zu achten, fotografierten sie bewusst die Bittenden so, dass man deren Gesichter nicht erkennen kann.

Lebensmittel für Bedürftige

Lebensmittel für Bedürftige

Lebensmittel für Bedürftige


Hilfe für Avicres in Zeiten der Corona-Krise

Liebe Freundinnen und Freunde der deutschen Avicres „Brasilieninitiative Avicres e.V.“,

Ihr werdet in Euren Medien mitbekommen haben, wie sehr das Coronavirus bei uns in Brasilien wütet und wie die Lage besonders durch die chaotische und korrupte politische Führung wohl noch lange nicht auf eine Besserung hoffen lassen kann.
Als Avicres sehen wir uns gezwungen, trotz aller Notwendigkeit struktureller Verbesserungen in unserer Arbeit, z.B. im Bereich der Erziehung, der Ausbildung, des Schutzes unserer Umwelt etc., nun aktuelle Not- und Katastrophenhilfe bestimmt noch für Monate leisten zu müssen. Das bezieht sich vor allem auf unsere sich nun schon über ca. 10 Wochen bewährende „Kampagne gegen den Hunger“ und auf eine nun durch unsere Gesundheitsstation in Angriff zu nehmende „Coronavirus-Testaktion“.
Für die Hungerhilfe einer mittellosen Familie müssen wir pro Monat ca. 40 Euro aufbringen und für die notwendigen Labor- und Testuntersuchungen macht das pro Einzelfall ca. 50 Euro aus.
Vielleicht ist es doch einzelnen von Euch möglich, uns in einer dieser Notsituationen zur Seite zu stehen mit einem Sonderbeitrag auf das Konto der deutschen Avicres (Brasilieninitiative Avicres e.V. bei der Bank für Kirche und Caritas, Konto IBAN: DE90 4726 0307 0012 9904 00). (siehe weitere Informationen unter Spenden)
Mit ein paar Fotos im Anhang zu diesen Bereichen dieser Nothilfe möchte ich mich im Voraus herzlich bei Euch bedanken.

Johannes Niggemeier,
im Namen der Leitung der Avicres Brasilien